Gift aus Leder: das muss nicht sein

von | Fashion, Nachhaltigkeit

Leder gilt als Naturstoff. Doch es ist oft voller Giftstoffe und wird teils unter fragwürdigen Umständen hergestellt. Aber wenn du deine Lederstücke gut pflegst, kannst du ihre Ökobilanz deutlich verbessern und lange Freude daran haben.

Frau mit Lederjacke

Leder ist ein langlebiges, robustes Material und wird daher gerne für Möbel, Schuhe oder Kleidung, aber auch für hochwertige Auto-Innenausstattungen genutzt. Es wird aus der Haut von Tieren hergestellt, klar. Aus der von Rindern, Kühen, Schweinen, Schafen und Ziegen, aber auch aus der von Pferden oder Exoten wie Krokodilen, Echsen, Schlangen oder sogar Straussen, Känguruhs oder Seehunden. Wer sich gegen Exoten- und für Rinds-, Schafs- oder Schweineleder entscheidet, tut dies oft im Glauben, dass es sich bei der Haut dieser Tiere um ein Abfallprodukt handelt. Für die allermeisten Tiere – natürlich nicht für die Exotenleder – stimmt das, weil die Tiere vor allem wegen ihres Fleischs gehalten werden. So ist beispielsweise die brasilianische Firma JBS nicht nur der grösste Fleischproduzent der Welt, sondern auch der grösste Lederhersteller mit Gerbereien auf der ganzen Welt.

Leder ist nicht nur schön

Doch zeigt dies gleich auch die Probleme, die mit der Produktion von Leder einhergehen. In Ländern wie Brasilien, China, Indien oder Bangladesch, die zu den grössten Lederfabrikanten zählen, gelten so gut wie keine Tierschutzgesetze, bzw. werden die geltenden Gesetze kaum umgesetzt. Auch die Arbeiter*innen werden weder fair bezahlt noch ausreichend geschützt. Daher hat die Produktion von Leder mit den gleichen Problemen wie die Fleischproduktion zu kämpfen – die Tiere werden in zu kleinen Ställen zu eng aufeinander gehalten, über viel zu lange Strecken gekarrt und oft unwürdig behandelt. Auch die hygienischen Bedingungen lassen oft zu wünschen übrig. Von den Umweltproblemen, die der Anbau des Viehfutters verursacht, ganz zu schweigen.

Gerben der Tierhäute ist umweltschädlich

Doch kommt bei der Herstellung von Leder noch ein gewichtiger Faktor dazu. Denn die Haut der toten Tiere muss gegerbt werden, um weiterverarbeitet werden zu können. Der Vorgang der Verwandlung der Haut in Leder ist ein Prozess, für den meist sehr giftige Stoffe genutzt werden. Besonders gefährlich ist das Gerben mit schwer recycelbarem Chrom, womit heute 85 Prozent der weltweit vermarkteten Lederprodukte haltbar gemacht werden, wie die Tierschutzorganisation Peta vorrechnet. Die Abwässer davon gehen zu oft ungeklärt in die Umwelt; und Gerbereizusätze wie Formaldehyd, Schwefelsäure oder Natriumsulfat belasten die örtlichen Gewässer zusätzlich.

Arbeiter*innen werden nicht geschützt – und auch du bekommst von dem Gift zu viel ab

Die Arbeiter*innen in den Gerbereien müssen ihr Werk oft ohne Schutzkleidung verrichten und kommen daher direkt mit dem Gift in Kontakt. Zusätzlich verbraucht der Gerbungsprozess vor Ort enorm viel Wasser und setzt hohe Mengen an Gift frei. Damit noch nicht genug: In verschiedenen Formen lassen sich Chrom-Verbindungen auch noch im fertigen Lederprodukt nachweisen, vor allem in Schuhen. Manche dieser Chromverbindungen können Allergien auslösen (Chrom III-Salze), andere wie Chromat stehen sogar im Verdacht, krebsauslösend zu sein. Das Kantonslabor Aargau etwa untersuchte preisgünstige Ballerinas, Pumps und Moccasins. Ergebnis: Fast jedes fünfte Paar war mit dem Schadstoff belastet. Auch das Kantonale Labor Zürich testete Lederprodukte, und stellte fest, dass fünf von elf Produkten Chromat in zu hoher Dosis abgaben.

Bio-Leder oder Leder mit Siegel sind gute Alternativen

Es gibt auch «Bio-Leder», aber der Ausdruck ist nicht geschützt und wird deshalb nicht einheitlich genutzt. Da helfen wieder Siegel weiter; so hat der Verband IVN (Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft) das rote «IVN-zertifiziert Naturleder»-Siegel entwickelt. Das bekommt nur, wer sicherstellen kann, dass nur Tierhäute genutzt werden, die wirklich als Nebenprodukt der Fleischgewinnung angefallen sind, dass er seine Abwässer gründlich reinigt und kein Chrom für die Gerbung nutzt.

Nachhaltige Label nutzen pflanzlich gegerbtes oder Recycling-Leder

Auch viele nachhaltige Mode-Hersteller achten darauf, möglichst nur pflanzlich gegerbtes Leder, Bio-Leder oder sogar recyceltes Leder für ihre Kleidungsstücke zu verwenden. Hin und wieder kommen auch Abfälle der Lederindustrie zum Einsatz, beispielsweise für die Leder-Patches, die an vielen Jeans angebracht werden.

Mit Recycling oder Secondhand-Leder kannst du die Ökobilanz verbessern

Leder ist und bleibt ein besonders langlebiges und robustes Material, das, einmal hergestellt, lange Jahre Freude bereiten kann. Deshalb sind Lederwaren auch als Secondhand-Ware sehr beliebt. Hier werden Leder-Lieblinge in sehr gutem Zustand angeboten und weiterverkauft werden – für deutlich weniger Geld.

Leder Stiefel und Tasche

Vielleicht hast Du selbst gerade ein Kleidungsstück aus Leder gekauft und willst es lange leben lassen? Hier ein paar Pflegetipps, wie es dir lange erhalten bleibt:

  • Neu gekaufte Lederstücke, vor allem Schuhe, imprägnieren. Wiederholen, wenn das Material wasserdurchlässig wird.
  • Leder nicht direkt an der Wärmequelle trocknen, sonst wird es brüchig. Schuhe beim Trocknen mit Zeitungspapier ausstopfen.
  • Leder braucht 24 Stunden, um richtig zu trocknen. Deshalb lieber nicht zu oft am Stück tragen.
  • Groben Schmutz abbürsten oder mit lauwarmem Wasser und Lederseife, notfalls Spülmittel, beseitigen.
  • Für Wildleder gilt: Speisestärke oder Backpulver beseitigt Flecken. Einstäuben, einwirken lassen und hinterher abbürsten.
  • Trockenshampoo wirkt ebenso: das für blonde Haare bei hellen, das für dunkle Haare bei dunklen Flecken.
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